Die Sattelzugmaschine ist das Antriebsfahrzeug, das speziell für das Ziehen von Sattelaufliegern im Straßengüterverkehr konstruiert ist. Sie ist das Rückgrat des europäischen internationalen Fernverkehrs, mit Konfigurationen vom Standard 4x2 für die Autobahn bis hin zu 6x4 für Schwerlastanwendungen.
Der europäische Markt für Sattelzugmaschinen wird von sieben Hauptherstellern dominiert, jeder mit eigenen charakteristischen Merkmalen:
Der Retarder ist ein elektromagnetisches oder hydrodynamisches Hilfsbremssystem, das in den Antriebsstrang integriert ist. Er reduziert den Verschleiß der Betriebsbremsen auf Bergstrecken um bis zu 90%, erhöht die Sicherheit deutlich und senkt die Wartungskosten. Die wichtigsten Typen sind der hydrodynamische Retarder (Voith, ZF), der in das Getriebe integrierte Intarder (ZF, Mercedes) und die Motorbremse mit Auspuffklappe (Jake Brake). Für den internationalen Fernverkehr ist ein Retarder praktisch unverzichtbar.
Der Nebenantrieb (Power Take-Off) überträgt Motorleistung auf Zusatzaggregate wie Hydraulikpumpen, Kompressoren oder Generatoren. Er ist unverzichtbar für Sattelzugmaschinen, die mit Kippaufliegern, Drucktankaufliegern oder Kühlaggregaten arbeiten. Die häufigsten Konfigurationen sind der getriebeabhängige PTO (funktioniert nur bei stehendem Fahrzeug) und der motorunabhängige PTO (auch während der Fahrt nutzbar). Die komplette Hydraulikanlage umfasst Pumpe, Tank, Verteilerventile und Leitungskreis.
Die Euro-Normen regeln den Schadstoffausstoß von Nutzfahrzeugen in der Europäischen Union. Die Euro-6-Norm (in Kraft seit 2014) verlangt Abgasnachbehandlungssysteme wie SCR (Selektive Katalytische Reduktion) mit AdBlue und einen Partikelfilter (DPF). Fahrzeuge der Euro-5-Norm und älter unterliegen Fahrbeschränkungen in den Umweltzonen (LEZ/ZBE) europäischer Städte. Die kommende Euro-7-Norm, geplant für 2027, wird die NOx- und Partikelgrenzwerte weiter verschärfen.
Die Standardkonfiguration für den Fernverkehr ist 4x2 (zwei Achsen, Heckantrieb), die das geringste Leergewicht und den niedrigsten Verbrauch bietet. Für anspruchsvollere Anwendungen ist 6x2 (drei Achsen, eine Lenkachse) ideal, wenn höhere Nutzlast ohne das Gewicht einer zweiten Antriebsachse benötigt wird. Die 6x4-Konfiguration (drei Achsen, doppelte Antriebsachse) wird im Bauwesen und in schwierigem Gelände eingesetzt, ebenso wie 4x4 für Offroad-Anwendungen.